1:0 gegen den Meister: Dieses FCK-Team hat eine Zukunft verdient – Jetzt sind die Funktionäre dran

Nur strahlende Gesichter am Ende – und das nach einer Saison wie dieser? Doch, am Betzenberg geht im Jahr 2020 sogar das, wenn auch nur für ein paar Minuten und auch nur auf dem Rasen. Der FC Bayern München II geht im Fritz-Walter-Stadion zwar als Verlierer vom Platz, feiert sich aber dennoch als frischbegackener Meister der Dritten Liga. Der 1. FC Kaiserslautern dagegen darf sich das Etikett des „Geistermeister“-Besiegers anbabben. Mit einem Team, das Zukunft hat – wenn der personelle Aderlass in den nächsten Wochen nicht allzu dramatisch ausfällt. Viel größere Sorgen bereitet die mit so viel Vertrauensvorschuss gestartete Führungsetage, die bereits wieder zerstritten scheint, wie das erneut entstandene Gerangel und „Geleake“ in Sachen Investorensuche zeigt.

Wir aber reden jetzt erst einmal nur über Fußball.

Zu den wenigen erfreulichen Aspekten der vergangenen Saison gehörte der Katapultstart der Youngster Lennart Grill, Carlo Sickinger, Christian Kühlwetter und Florian Pick, die 2018/19 nicht nur den Durchbruch im Profiteam schafften, sondern direkt zu Leistungsträger avancierten. In dieser Spielzeit nun sah es lange so aus, als würde die Nachwuchsarbeit diesmal nicht ganz so ertragreich ausfallen. Nach dem abschließenden Saisonviertel jedoch gibt es auch unter diesem Aspekt Erfreuliches zu vermelden.

NACH BAKHAT SPIELT SICH NUN AUCH MORABET IN DEN VORDERGRUND

Mit Anas Bakhat kam im letzten Saisonviertel ein 20-Jähriger zu insgesamt sieben Startelfeinsätzen, die zeigten, dass er nicht nur über die individuellen fußballerischen Fähigkeiten, sondern auch über das taktische Verständnis insbesondere im Pressingspiel verfügt, um sich im Profifußball behaupten zu können. Und mit Mohamed Morabet kam auf den letzten Metern der Saison nun noch eine zweite Nachwuchskraft hinzu, über die sich das Gleiche sagen lässt.

Gegen die Bayern fiel der 22-Jährige in seinem mit 66 Minuten bislang längsten von acht Saisoneinsätzen nicht nur durch gute Ballbehandlung auf engem Raum und präzise Flanken auf, sondern auch als energischer Balleroberer und stets bei der Sache, wenn es in die Rückwärtsbewegung ging. Vor allem hat Trainer Boris Schommers mit Bakhat und Morabet nun zwei Spieler mehr zur Verfügung, mit denen sich das von ihm gewünschte „Bespielen“ eines Gegners bewerkstelligen lässt, der den FCK geordnet erwartet.

BACHMANN LÄUFT ALS ACHTER AUF – UND DRÄNGT NACH VORNE

Zum Saisonfinale hatte der Coach die Startelf gegenüber der vorangegangenen Partie ein weiteres Mal auf vier Positionen verändert. Für Dominik Schad begann Philipp Hercher auf der Rechtsverteidigerposition, links durfte erneut der junge Jonas Scholz ran. Im Mittelfeld pausierte zunächst Hikmet Ciftci, Hendrick Zuck fehlte gelbgesperrt.  Für die beiden rückten Carlo Sickinger und eben Bakhat wieder ins Team. Vorne ersetzte Morabet Lucas Röser.

Der FCK formiert sich wieder in seinem 4-1-2-1-2 mit Florian Pick als zentralem Offensiven, allerdings mit einer kleinen Variante: Janik Bachmann überlässt Sickinger den zentralen defensiven Part auf der Sechs und betätigt sich als halbrechter Achter, eine Position, auf der er seine seit einigen Wochen auffällig gewordene Neigung, sich stärker ins Spiel nach vorne einzuschalten, besser ausleben kann.

BACHMANN SCHEITERT, DIE BAYERN KÖNNEN GEGENPRESSING

Und tatsächlich ist es Bachmann, der die beiden stärksten Toraktionen des FCK in der ersten Hälfte abschließt. Beide resultieren aus Kombinationsspiel gegen einen geordnet stehenden Gegner, und an beiden Passstafetten sind Bakhat und Morabet beteiligt. In der 10. Minute taucht Bachmann in der Box vor FCB-Keeper Ron-Torben Hoffmann auf, bringt den Ball aber nicht an diesem vorbei, in der 36. Minute streicht  eine Schlenzer mit links aus 16 Metern nur knapp am langen Eck vorbei.

Der angehende Meister aus Bayern ist ebenfalls gefährlich. Das Team von Sebastian Hoeneß zeigt sich vor allem im Gegenpressing versiert, also dann, wenn es darum geht, nach einem Ballverlust, auch weit in der gegnerischen Hälfte, sofort wieder organisiert nachzusetzen, um das Leder zurückzuerobern. Bei diesen Versuchen wird es einige Male haarscharf vorm Lautrer Tor. Die beste Möglichkeit der Bayern resultiert  allerdings aus einem Freistoß: Maximilian Welzmüller zirkelt einen aus 25 Metern knapp am rechten Pfosten vorbei.

1:0 NACH BAYERN-BOCK – MEHR ALS EIN GLÜCKLICHER ZUFALL

Unmittelbar nach der Pause markiert Kühlwetter den Lautrer Führungstreffer, als er in einen zu schwachen Rückpass von Bayern-Kapitän Nicolas Feldhahn erläuft. Mit einer Vokabel wie „Geschenk“ sollte man dabei vorsichtig sein, denn ein solcher Bock muss für den Nutznießer kein glücklicher Zufall sein, sondern kann, wie in diesem Fall, auch provoziert werden: Es ist Bachmann, der den Ball in der eigenen Hälfte erobert, als die Bayern einen Flankenwechsel versuchen. Er leitet dann über die rechte Seite den Angriff über Morabet ein, der sich ebenfalls geschickt gegen seinen Gegenspieler durchsetzt, und Pick einsetzen will. Feldhahn kommt zwar vor ihm an den Ball, wird aber so von Pick bedrängt, dass sein Fehlpass eben nicht „einfach so“ erfolgt.

Danach überrascht Schommers erneut mit einer vielleicht nicht spektakulären, aber doch interessanten Variante gegenüber den vorangegangen Spielen. Er formiert die Mannschaft nach einer Führung nicht zu einem flachen 4-4-2 um, auf dass sie den Gegner mit zwei kompakt stehenden Viererketten erwartet und nur die beiden Stürmer den Aufbau in der hinteren Reihe stören, sondern belässt es bei der zu Beginn gewählten Grundordnung, wenngleich die Elf insgesamt zurückgezogener agiert.

LAUTERN KONTERT – ELFMETERPFIFF BLEIBT AUF

Dabei klappt das „Umschalten“ besser als nach den 1:0-Führungen zuletzt. Bereits in Minute 51 wird Kühlwetter nach einer solchen Aktion von Feldhahn im Strafraum umgerempelt – da wäre ein Elfmeterpfiff durchaus angezeigt gewesen. Später verzieht Kühlwetter aus einer guten Einschussposition von halblinks. Da mögen  auch mangelnde Konzentration und nachlassende Kraft eine Rolle gespielt haben, in der fünfte Englischen Woche nacheinander verständlich. Auch Picks Aktionen werden zunehmend fahriger, bis er nach 66 Minuten von Manfred Starke ersetzt wird.

Morabet flankt nach einem weiteren gut vorgetragenen Konter auf Bakhat am langen Eck. Der aber scheitert beim Versuch, in die Mitte auf Kühlwetter abzulegen, statt selbst abzuschließen. Die Bayern kommen dem Ausgleich am nächsten, als Rechtsverteidiger Josip Stanisic aus dem Hinterhalt abzieht und FCK-Keeper Avdo Spahic die Kugel zunächst an den Innenpfosten lenkt, ehe er zupackt.

EIN SCHÖNER ABSCHLUSS – JETZT SIND DIE HERREN FUNKTIONÄRE DRAN

Insgesamt noch einmal ein gut anzusehendes Drittligaspiel und ein „schöner Abschluss“, wie auch Boris Schommers am Ende konstatiert. Der FCK schließt die  Drittliga-Spielzeit 2019/20 auf Rang 10 ab, einen Platz schlechter, aber vier Punkte besser als im Vorjahr. Unterm Strich ist das natürlich wieder nicht das, was Verein und Anhang sich vorstellen.

Doch dieses Team weckt berechtigte Hoffnungen auf die Zukunft, und die würden auch nicht zerstört, wenn ein oder zwei Leistungsträger in den nächsten Wochen Angebote höherklassiger Klubs annehmen – heißester Kandidat ist kaum verwunderlicher Weise Flo Pick. Ein Aderlass in kleinem Umfang muss in dieser dritten Spielklasse aber als Normalität angesehen werden. Schlimm wird’s erst, wenn vier oder mehr Leistungsträger den Klub verlassen.

Insofern wäre es dringend notwendig, dass auf der Funktionärsebene die Themen „Insolvenz“ und „Investorensuche“ nun zügig abgearbeitet werden, ohne dass es zu öffentlichen Eskalationen kommt. Im Sinne des FCK, um den es allen Beteiligten doch stets als allererstes geht, wie sie immerfort versichern. Doch scheint es einfach nur noch vergebliche Liebesmüh, dergleichen einzufordern.

Text: Eric Scherer

Foto: Andreas Schlichter /Bongarts/Getty Images

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