Saisonabschluss gegen den Tabellenführer: Neu formierte Bayern gegen neu formierte Lautrer

Zum Finale gegen den Tabellenführer – gibt’s eine bessere Gelegenheit, um sich aus der wohl merkwürdigsten Saison aller Zeiten zu verabschieden und gleichzeitig Vorfreude auf die neue zu entfachen – wann immer diese beginnt? Der 1. FC Kaiserslautern jedenfalls will die Partie gegen den FC Bayern München II am morgigen Samstag, 14 Uhr, in vollen Zügen genießen. In der Vorrunde gewannen die Lautrer bei den kleinen Bayern mit 3:1. Ein Spiel, aus dem sich jedoch keinerlei Rückschlüsse auf das aktuelle mehr ziehen lassen. Dafür haben sich beide Mannschaften zu sehr weiterentwickelt – und mittlerweile auch personell verändert.

In den Wochen vor der Corona-Pause hat der FCK in den 19 Spielen unter Schommers 25 Punkte geholt, also 1,3 Zähler im Schnitt. In den Geisterspielwochen schaffte er 18 Punkte in zehn Partien, einen Schnitt von 1,8, der, auf 38 Spiele hochgerechnet, 68 Punkte bedeuten würde. Tabellenführer FC Bayern München II weist eine Runde vor Schluss 65 Zähler auf.

Die guten Ergebnisse im „Corona-Cup“ fallen natürlich auch in den Fanforen auf – und führen zu steilen Thesen wie: „Die spielen einfach besser ohne Publikum, weil sie da nicht so viel Druck spüren.“ So dies denn stimmte, müsste es einem FCK-Anhänger also vor dem Tag grausen, an dem er wieder ins Stadion darf. Verständlich, dass auch Trainer Boris Schommers diese Erklärung nicht akzeptieren möchte. Er sieht die Geisterspielwochen als „letztes Drittel der Saison, in dem wir uns noch einmal weiterentwickelt haben.“ Darauf gelte es in der kommenden Saison weiter aufzubauen – wann diese beginnt, ist allerdings noch unklar.

Zum Saisonfinale fehlen neben den bereits verabschiedeten Lennart Grill und Alexander Nandzik auch Hendrik Zuck und Timmy Thiele, die wegen fünf Gelber Karten gesperrt sind. Auch der FC Bayern München verfügt nicht mehr über den Kader, mit dem er einst in die Spielzeit startete.

Torjäger Kwasi Okyere Wriedt (24 Saisontreffer) und Linksverteidiger Derrick Köhn sind bereits zu ihrem neuen Verein, dem niederländischen Erstligisten Willem II Tilburg, abgewandert. Andere zwischenzeitliche Stammkräfte wie Joshua Zirkzee, Sarpreet Singh oder der einzige Lautrer U17-Spieler Oliver Batista Meier trainieren mittlerweile mit der Profimannschaft.

Mit 24 Punkten in zehn Spielen stellen die Bayern auch die beste Mannschaft der Geisterspielwochen. 2020 haben sie erst einmal verloren – in Chemnitz. Zuletzt vermiesten sie mit einem Ausgleichstreffer zum 2:2 in der Schlussminute dem MSV Duisburg die letzte Chance, vielleicht doch noch zumindest den Relegationsplatz 3 zu erreichen. Ihr Coach Sebastian Hoeneß ist von seinen Kollegen und den Kapitänen der Dritten Liga gerade zum „Trainer der Saison“ gewählt worden.

Zu den xG-Grafiken vom Halle-Spiel.

Die Auflistung der qualitativ bewerteten Torchancen sieht Lautern sogar leicht vorne. Angesichts eines Endergebnises von 0.54 : 0.70 wird aber auch deutlich: Es war nicht allzu viel los vor den Toren. Dass ein Gegner des FCK aber nun schon zum wiederholten Male, obwohl zeitweise gut im Spiel, nicht viel Gefährliches in der Box zustande brachte, zeigt aber auch: Das Defensivverhalten der Lautrer ist in den jüngsten Wochen besser geworden, vor allem das Spiel gegen Ball. Nur neun Gegentreffer kassierten sie in den zehn Partien der Geisterspielwochen, in den Begegnungen davor waren es 45 in 27 Spielen.

Der „Pitchplot“ verdeutlicht einmal mehr, wie wenig aussagekräftig die tumbe Aufrechnung von Torschüssen sein kann, da nämlich gewinnen die Hallenser 13 : 5. Beim Generieren von Einschussgelegenheiten nach ruhenden Bällen („Set Pieces“) liegen die Lautrer ebenfalls hinten, das ist viel alarmierender, allerdings auch nichts Neues.

Die Positions- und Passgrafik, auf welcher die Offensivspieler diesmal sehr in der Luft hängen, ist diesmal allerdings mit Vorsicht zu genießen. Sander Ijtsma betrachtet stets nur die ersten 70 Minuten eines Spiels, da anschließend die Wechselphase beginnt und die Visualisierung dadurch zu sehr an Aussagekraft verlieren würde. Drum findet die starke Druckphase der Lautrer in den Schlussminuten keinen Niederschlag, die hätte sicherlich auch ein wenig Ballzirkulation im vorderen Drittel ausgewiesen.

Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der Hallenser. Da zirkulierte der Ball recht gleichmäßig.

Text: Eric Scherer

Foto: Alexander Scheuer/Getty Images

Grafiken: 11tegen11

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