Halle will Klassenverbleib sichern – und Lautern „was mitbringen“

„Corona-Cup“, Runde 10. Der 1. FC Kaiserslautern fährt zum Halleschen FC, der sich nach einem brutalen Tabellensturz zum Jahresbeginn nun wieder gefangen hat. In der Tabelle rangiert der Klub aus Sachsen-Anhalt vier Punkte über dem berühmten Strich, womit er noch nicht ganz „durch“ ist. Somit trifft der FCK erneut auf einen Gegner, für den es zwei Spieltage vor Schluss „noch um etwas geht.“ Das Team von Boris Schommers hat zuletzt jedoch gezeigt, dass es sich gegen solche Gegner konzentriert aufzutreten vermag, obwohl für die Lautrer aus dieser Saison längst die „Luft raus“ ist.

Hören mag der Coach dergleichen allerdings nicht. „Die Mannschaft ist gewillt, etwas aus Halle mitzubringen“, versichert Schommers. Neue verletzungsbedingte Ausfälle gibt es nach der Partie vom Samstag nicht zu vermelden, allerdings steht aufgrund der Vertragssituation nach dem 30. Juni neben Lennart Grill auch Alexander Nandzik nicht mehr zur Verfügung. André Hainault, dessen Arbeitspapier ebenfalls ausläuft, gehört dem Kader allerdings weiter an.

Im „Corona-Cup“ rangiert der Hallesche FC auf Rang 11, hat in neun Partien elf Punkte geholt. Damit gehören die Hallenser zu den Drittligisten, denen es gelungen ist, sich unter den ungewohnten Bedingungen der vergangenen Wochen zu steigern. Vor dem großen Break an Spieltag 27 stand der FC mit 33 Punkten auf Platz 16. Resultat einer haarsträubenden Negativserie, die im Grunde mit der 0:1-Niederlage in Kaiserslautern mit 2019 begann. Von den anschließenden zwölf Partien verloren die Hallenser zehn, die übrigen beiden endeten lediglich unentschieden.

HALLE: MIT SCHNORRENBERG WIEDER STABILER

Was diesen Absturz bewirkt hat, lässt sich für einen Außensehenden kaum schlüssig analysieren. Zu seinem Gastspiel auf dem Betzenberg in der Vorrunde war der Klub aus Sachsen-Anhalt noch als Tabellenzweiter angereist. Dem Anspruch eines Topteams wurde er in den anschließenden 90 Minuten zwar nicht im Spiel nach vorne gerecht, doch zeigte er einmal mehr, dass er das Spiel gegen den Ball so gut beherrschte wie kaum ein anderes Drittligateam. 

Anscheinend hat der FCH zu dieser Kompaktheit nun zurückgefunden. Seit Trainer Florian Schnorrenberg die Hallenser vor sechs Spieltagen übernommen hat, verlor er nun einmal, drei Partien wurden gewonnen. Schnorrenberg kam für Ismail Atalan, der den FC nur fünf Spiele betreute. Atalan wiederum hatte im Februar Torsten Ziegner beerbt.

DIE XG-GRAFIKEN: 3:0 – UND DENNOCH WAR NICHT VIEL LOS

Kommen wir zu den xG-Grafiken vom Spiel gegen Viktoria Köln.

Ein auf dem Papier klarer 3:0-Sieg für den FCK, von dem beide Trainer hinterher sagten, dass er zu hoch ausgefallen sei, und der Trainer der Siegermannschaft sogar meinte, sein Team habe „kein gutes Spiel“ gemacht. Wie sich das in der Aufrechnung der qualitativ bewerteten Torchancen darstellt? Nun, ebenfalls als „klarer“ FCK-Sieg, allerdings zeigt das Endergebnis von 1.01 : 0.30, das auch Lautern vor dem Kölner Tor nicht allzu viel Feuer machte. Allein Morabets Treffer zum 3:0 beansprucht mit knapp 0.5 Punkten – heißt: Torchance mit 50-prozentiger Trefferwahrscheinlichkeit –, die Hälfte des Gesamtwerts für sich.

Allerdings darf man auch sagen: Gegen den Ball haben die Lautrer durchaus gut gearbeitet, nicht nur keinen Treffer, sondern auch so gut wie keine Gelegenheiten  zugelassen. Der Wert von 0.30 für den Gegner spricht da für sich, auch wenn die Viktoria optisch über weite Strecken „gut im Spiel“ zu sein schien.

Dem „Pitchplot“ zufolge gewinnt die Viktoria sogar 12:10 nach Torschüssen, was einmal mehr zeigt, wie ungleich aussagekräftiger die xG-Berechnungen sind, die diese eben auch qualitativ bewerten. Und, siehe da: Lautern hat in dieser Partie mal mehr Torchancen durch ruhende Bälle („Set Pieces“) herausgearbeitet als aus dem Spiel heraus – der „Corona“-Cup fördert anscheinend ganz neue Seiten dieser Mannschaft zutage.

Die Positions- und Passgrafik spiegeln das Schommersche 4-3-3 mit dem beweglichen Offensivtrio diesmal so schön wie selten wider. Wobei nicht vergessen werden sollte: Gegen den Ball agierte der FCK ab dem frühen Führungstreffer in einem 4-4-2, doch ohne Ball kann nicht gepasst werden, daher kann diese Formation in diesem Abbild keinen Niederschlag finden. Die Grafiken zeigen die Positionierungen der Spieler ausschließlich bei Ballbesitz.

Zum Vergleich die Positions- und Passgrafik der Viktoria. Auch Trainer Pavel Dotchev formierte während des Spiels mehrmals um, die Grafik zeigt also so etwas wie ungefähres Mittel aller Varianten. Auf jeden Fall sehen wir: Bei den Kölner dürfen alle, die auf dem Feld stehen, auch mitspielen. Scheint eine intakte Mannschaft zu sein.

Text: Eric Scherer

Foto: Thomas Eisenhuth/Getty Images

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