Lautern klettert im „Corona-Cup“ auf den Relegationsrang – und läuft dennoch auf der letzten Rille

Der 1. FC Kaiserslautern punktet munter weiter im „Corona-Cup“, wie Gästetrainer Pavel Dotchev die englischen Geisterspielwochen der Dritten Liga nennt. Gegen Viktoria Köln glückte den Lautrern ein auf dem Papier überzeugender 3:0-Sieg. Das deutliche Ergebnis kam jedoch erst in der Schlussphase zustande, als die Kölner hinten aufmachten. Zuvor war’s über weite Strecken Rasenschach – und ein Beleg dafür, dass die Teilnehmer des „Corona-Cups“ langsam auf der letzten Rille laufen. Positiv darf angemerkt werden auf jeden Fall: Wenn die Lautrer mal führen, formieren sie sich gegen den Ball mittlerweile so stabil, dass kaum noch was anbrennt. Das gilt es mitzunehmen in die nächste Saison.

Gegenüber der vorangegangenen Partie in Rostock änderte Boris Schommers seine Startelf diesmal auf vier Positionen. Für den meisten Gesprächsstoff unter den anwesenden Medienvertretern im gähnend leeren Fritz-Walter-Stadion sorgte jedoch ein Wechsel, den er nicht vornahm: Keeper Lennart Grill kehrte nicht an seinen Arbeitsplatz zurück, obwohl es das letzte Spiel war, in dem er dem FCK zur Verfügung stand. Grill wechselt mit Vertragsablauf zum 30. Juni bekanntlich zu Bayer Leverkusen und steht in den beiden noch ausstehenden Saisonspielen nicht mehr FCK-Kader, da diese erst im Juli ausgetragen werden.

„Wir haben unter der Woche mit allen Beteiligten gesprochen“, begründete Schommers hinterher die Entscheidung. „Lennie war selbst der Meinung, dass Avdo Spahic, der in der nächsten Saison unsere Nummer 1 sein wird, im Tor bleiben sollte, da er sich in dieser Spielzeit als vorbildlicher Teamplayer immer hinten angestellt hat.“ Grill brauche diese Partie als Abschiedsspiel nicht, „da ohnehin leider keine Fans im Stadion wären. Kompliment an Lennie.“ Dem ist nichts hinzuzeigen.

RASENSCHACH: DOTCHEV WÄHLT DIE ITALIENISCHE ERÖFFNUNG

Zum Spiel, beziehungsweise „Rasenschach“: Es scheint mittlerweile zum Selbstverständnis der Gästetrainer zu gehören, sich vor einem Auftritt auf dem Betze etwas einfallen zu lassen, auf das Schommers und sein Trainerteam nicht vorbereitet sein können. Der Bulgare Dotchev ging es italienisch an: Sein Team startete in einer 4-3-1-2-Anordnung, die irgendwann in den 1990er Jahren mal auf dem Stiefel erfunden und dort auch anschließend verfeinert wurde. 

Lautern bevorzugte wieder sein 4-3-3 mit beweglicher Offensivreihe, allerdings mit einer Variation gegenüber den vorangegangen Partien. Den zentralen Mann, der sich permanent zurückfallen lässt, gab diesmal Manfred Starke. Der bisherige Stammhalter dieser Position, Florian Pick, rückte dafür auf die Position des linken Stürmers mit Zug nach innen. Christian Kühlwetter übernahm den analog angelegten Part auf der anderen Seite. 

EINE STARTELF FÜR DIE ZUKUNFT – WENN KEINE ANGEBOTE KOMMEN

Janik Bachmann stand wieder auf der Sechs, Hikmet Ciftci und Anas Bakhat auf den Achterpositionen, die Vierkette hinten bildeten Dominik Schad, Kevin Kraus, Carlo Sickinger und Philipp Hercher. Mit Spahic im Tor ergibt das eine Startelf, die so auch in der nächsten Spielzeit auflaufen könnte – wenn keine finanzstärkeren Klubs auf den Plan treten und für gewisse Spieler Angebote machen, die der FCK nicht ablehnen kann.

Zukunftsperspektiven hätte dieses Team sicherlich – auch wenn es aktuell erst einmal den Gegner besser ins Spiel kommen ließ. Die Kölner hatten in der Anfangsviertelstunde die klareren Aktionen. Dann aber zeigte sich wieder mal, wie wichtig ein frühes Tor als „Türöffner“ ist – und wie piepegal es ist, ob dieses „verdient“ oder „unverdient“ ist.

PICK, HERCHER UND KÜHLWETTER ÖFFNEN DIE TÜR

 In der 18. Minute setzt Pick mit einem tiefen Pass Hercher ein, bei dem es derzeit einfach blendend läuft. Seine flache Flanke nimmt Kühlwetter an, und die Art, wie er sich zwischen drei Gegenspielern drehen und abschließen darf, wird Pavel Dotchev noch ein paar graue Haare mehr auf den Kopf gezaubert haben.

1:0 für Lautern, die nun den nächsten Zug im Rasenschach ausführen: Umstellen auf 4-4-2, also mit zwei  Viererketten, die auf die Möglichkeit zur Balleroberung tiefer gestaffelt lauern, um schnell nach vorne stoßen können. Dotchev weiß um diese Gefahr, aber auch, dass seine Mannschaft vorne nun mehr Anspielstationen in der Breite braucht und stellt auf ein 4-2-3-1 um.

In der 25. Minute zieht Steven Lewerenz aus halblinker Distanz vorm Strafraum ab –Spahic lenkt das Geschoss, das sich ins lange Eck zu drehen droht, gerade noch zur Ecke ab. Es bleibt die spektakulärste Aktion zur Pause.

ZWEITE HÄLFTE: LAUTERN KOMPAKTER, ABER ZU FAHRIG NACH VORNE 

„Wir haben uns Halbzeit vorgenommen, besser gegen den Ball zu arbeiten, kompakter zu stehen, die Situationen spielerisch besser zu lösen“, erzählt Schommers hinterher. Das kommt hin, nur der letzte Halbsatz bleibt ein frommer Wunsch. Einige vielversprechend startende Umschaltsituation werden noch im Mitteldrittel verdaddelt. Köln nach wie vor aktiver, der nach 67 Minuten eingewechselte Michael Seaton taucht zwei Mal gefährlich vor Spahic auf, aber so wirklich Zwingendes passiert nicht.

Schommers wiederum hat Timmy Thiele und Hendrick Zuck für Pick und Bakhat gebracht, zehn Minuten später kommt Mohamed Morabet für Starke. Der legt kurz darauf eine Linksflanke, der er am langen Eck annimmt, überlegt auf Bachmann zurück, der direkt auf den in der Box freistehenden Kühlwetter weiterleitet. Diesmal verzieht der Torjäger aber. 

ERGEBNISKOSMETIK GIBT’S ERST AB MINUTE 86

Erst ab der 86. Minute gelingt Lautern die ergebniskosmetischen Aufhübschung. Und das auch noch mit einem Treffer nach einer Ecke, wie sie beim FCK so rar geworden sind. Hercher nickt einen Ball von Ciftci ein, doch bei aller Freude müssen wir anmerken: Gegen einen Gegner, der noch einigermaßen konzentriert bei der Sache ist, wär das kaum gelungen. Hercher empfängt die Ecke mit der Stirn am langen Eck vollkommen unbedrängt und muss mit den Füßen nicht einmal vom Boden abheben, obwohl er fraglos über Sprungkraft verfügt. Wie schon gesagt: Zurzeit läuft es einfach rund bei dem 24-Jährigen.

In der 90. Minute legt Zuck nach energischem Flankenlauf Morabet auf, und der 22-Jährige, der erst am Mittwoch bei seinem Startelf-Debüt getroffen hat, schiebt seinen zweiten Ligatreffer hinterher.

TROTZ NIEDERLAGE FEIERT AUCH KÖLN EIN HAPPY END

Gutes Ergebnis, „aber kein gutes Spiel“, wie Boris Schommers hinterher selbstkritisch einräumt. Immerhin: Im „Corona-Cup“ rangiert der FCK nach neun Runden nun auf Rang 4, und da der FC Bayern II nicht aufstiegsberechtigt ist, würde das „Relegationsrang“ bedeuten… Ja, schon klar: Alles nur Zahlenspielereien, die keinem was bringen.

Ein Happy End hielt der aus ihrer Sicht unglückliche Tag jedoch auch für die Kölner. Dank der Ergebnisse in den parallelen Spielen sicherte sich der Aufsteiger trotz der Niederlage den Klassenverbleib – und ihr nunmehr 36-Jähriger Tor-Oldie Albert Bunjaku verlängerte seinen Vertrag um eine weitere Spielzeit.

Text: Eric Scherer

Foto: Christian-Caspar Bartke/Bongarts/Getty Images

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