Die Vorgabe für Grills Abschiedsspiel: Gegen die Tor-Oldies den Kasten sauber halten

Mehr Nachbar geht nicht: Sowohl auf dem Gesamttableau als auch in der nunmehr acht Runden umfassenden Geisterspiel-Tabelle steht Viktoria Köln einen Rang hinter dem 1. FC Kaiserslautern. Somit lässt sich für FCK-Trainer Boris Schommers eine Zielvorgabe fürs Aufeinandertreffen am morgigen Samstag, 14 Uhr, auf dem Betzenberg recht leicht formulieren: „Wir wollen vor der Viktoria bleiben.“ Ansonsten haben sich die Lautrer im Niemandsland eigentlich zu festgefahren, als dass sich noch große Forderungen für die Restsaison definieren ließen. Dennoch war das Team beim 1:1 in Rostock zuletzt durchaus noch mit Eifer und Konzentration bei der Sache, auch wenn unsere xG-Grafiken diesmal nicht bestätigen.

Es ist das letzte FCK-Spiel vor dem 30. Juni, also dem eigentlich vorgesehenen Stichtag für auslaufende Verträge. Wegen Corona ist diesmal aber bekanntlich alles anders. Welche der betroffenen Spieler ihm in den verbleibenden Partien gegen Halle und den FC Bayern München II noch zur Verfügung stehen, werde derzeit noch geprüft. Somit könnte das Köln-Spiel André Hainault und Gino Fechner die letzte Gelegenheit bieten, das Lautern-Trikot überzustreifen.

Der dritte potenzielle Abschiedsspieler, Alexander Nandzik, fällt dagegen verletzt aus. Bei ihm ist allerdings auch noch denkbar, dass sein Leihvertrag mit Jahn Regensburg in einen festen Kontrakt am Betzenberg umgewandelt wird. Eine entsprechende Option ist in der bisherigen Vereinbarung vorgesehen.

GRILL SPIELT IM JULI DEFINITIV NICHT MEHR – MORGEN ABSCHIEDSSPIEL?

Den nach Leverkusen wechselnden Lennart Grill wird Schommers dagegen in den beiden Juli-Spielen definitiv nicht mehr einsetzen. Ob er den 21-Jährigen morgen in seine Startelf nominiert, verrät der Trainer wie immer nicht. Es würde allerdings ein wenig erstaunen, wenn er Avdo Spahic vorziehen würde. Sechs Jahre lief Grill für den FCK auf. Seit Januar 2019 war er die Nummer 1 des Profiteams. Ihm nicht die Gelegenheit zu geben, sich im Einsatz zu verabschieden, wär, mit Verlaub, ein wenig schofel. Auch wenn Grill den Fans nur über die TV-Kameras zuwinken kann.

Ansonsten will Schommers die noch ausstehenden Partien nutzen, sich den ein der anderen Spieler nochmal anzuschauen – oder auch für seinen Trainingsfleiß „zu belohnen“. In diesen Genuss kam Mohamed Morabet am vergangenen Mittwoch –  und markierte bei seinem Startelf-Debüt direkt sein erstes Profi-Tor.

VIKTORIA: DIE SIEGERTYPEN HEISSEN BUNJAKU UND WUNDERLICH

Überhaupt scheint der Trainer auf der Saisonzielgeraden noch wechselfreudiger geworden zu sein. Gegenüber der vorangegangenen Partie tauschte er in Rostock seine Startelf auf gleich sieben Positionen aus. Somit könnte es auch morgen einige Überraschungen geben.

Gegner Viktoria Köln hat zuletzt drei Mal hintereinander gewonnen. Schommers warnt vor allem vor dem Offensivspielern Mike Wunderlich und Albert Bunjaku. Die beiden Routiniers zählen zusammen zwar schon 70 Lenze, zeichnen diese Saison aber bereits für 34 Treffer und elf Vorlagen verantwortlich. Irgendwie wird in dieser Liga einfach zu oft nur über junge Spieler geredet…

DIE XG-GRAFIKEN: WAS WAR DENN DA LOS?

Kommen wir zu den xG-Grafiken vom Rostock-Spiel.

Die Aufrechnung der qualitativ bewerteten Torchancen sieht den FC Hansa Rostock diesmal viel weiter vorne, als man es nach den persönlichen Eindrücken möglich hält. In der Tat hat Sander Ijtsma diesmal anscheinend auf fehlerhafte Basisdaten zugreifen müssen. Dass etwa Pick 16-Meter-Schuss in der 10. Minute nur einen gegen Null tendierenden Ausschlag verursacht, kann eigentlich nicht sein.

Zum „Pitchplot“: Bei den nach ruhenden Bällen kreierten Einschussgelegenheiten gibt’s bei Lautern diesmal einen neuen Negativrekord zu vermelden: Bei „Set Pieces“ steht allen Ernstes 0.0. Das könnte sogar hinkommen. Auch die einfache Auflistung der abgegebenen Torschüsse spricht mit 16:6 klar für Rostock. Wir bleiben dennoch dabei: Der FCK machte in Rostock ein gutes Auswärtsspiel, der Punkt ist mehr als verdient. Zahlen sind eben doch nicht alles.

Die Positions- und Passgrafik offenbart dafür ein stabiles 4-4-2-Gerüst, in der bis auf Röser alle gut ins Spiel eingebunden waren. Das deckt sich auch mit unserem subjektiven Eindruck.

Zum Vergleich die Rostocker Grafik. Auch da wird im besten Sinn ordentlich Fußball  gespielt. Einzig Verhoek wirkt wie ein Fremdkörper.

Text: Eric Scherer

Foto: Jürgen Schwarz/Getty Images

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