Hansa ist heiß – doch Lautern kann cool kontern

Einer aus dem Niemandsland der Tabelle gegen einen, für den es noch um alles geht – angesichts dieser Motivationslage scheint für den 1. FC Kaiserslautern im Gastspiel beim FC Hansa Rostock am morgigen Dienstagabend, 20.30 Uhr, nicht viel zu holen zu sein. Aber wer weiß das schon? Keinen Druck mehr zu haben, kann schließlich auch befreiend wirken. Und die Lauterer haben zuletzt gegen den KFC Uerdingen gezeigt, dass sie gut „umschalten“ können, wie auch unsere xG-Grafiken zeigen. Ein Gegner, der angreifen will und muss, könnte dem FCK also liegen. Außerdem gilt für einige Kicker im Kader: Noch ein wenig „Schaulaufen“, bevor die Sommertransferperiode beginnt.

Aufgrund der notwendigen Rotationen in diesen Englischen Wochen hat FCK-Trainer Boris Schommers bereits einiges an Personal bewegt. Einer der Gewinner mit Blick auf seine nächste Zukunft am „Betze“ist Anas Bakhat, der zuletzt fünf Mal hintereinander in der Startelf stand und seine Sache gut machte. Andere hoffen sicherlich noch, in den verbleibenden vier Spielen noch ein wenig mehr auf sich aufmerksam machen zu dürfen: Andri Runar Bjarnason, Theo Bergmann oder Mohamed Morabet etwa. Und Avdo Spahic?

Der Wechsel von Stammkeeper Lennart Grill zu Bayer Leverkusen steht längst fest – seinem designierten Nachfolger noch in dieser Saison Spielpraxis zu gewähren, ist sicher eine Überlegung wert. Ob’s in Rostock schon so weit ist, lässt Schommers offen. Wie immer, wenn es um die Mannschaftsaufstellung geht. Als sicher gilt lediglich: Für den angeschlagenen Simon Skarlatidis werden die zwei verbleibenden Wochen wohl nicht mehr reichen, um noch einmal ins Team zurückzukehren.

DIE GEISTERSPIELE: WIE SEHR BEEINFLUSSEN SIE DIE TABELLE?

Inwieweit diese Geisterspielwochen den sportlichen Wettbewerb nachteilig beeinflussen, wenn nicht gar verzerren, darüber lässt sich sicher stundenlang streiten. Spiele im Drei-Tages-Rhythmus, kein anfeuerndes Publikum, unterschiedliche Trainingsvoraussetzungen in den einzelnen Bundesländern – das sind sicher Faktoren, die sich nicht wegdiskutieren lassen. Drum ist es interessant, die Geisterspieltage mal in einer eigener Tabelle zusammenzufassen. Und die sieht nach sieben Runden so aus:

Vergleicht man diese nun mit der aktuellen Tabelle nach 34 Spieltagen, stellt man fest: Die beiden Führenden und das Schlusslicht sind auf beiden Tableaus identisch, Ingolstadt hält in beiden Rankings den 6. Platz. Etliche Teams variieren nur um einen oder zwei Ränge. Dafür sind die Ausreißer umso interessanter.

GEISTERSPIEL-VERLIERER: HACHING, DUISBURG – GEWINNER: BRAUNSCHWEIG

Geisterspiel-Verlierer sind bislang gar nicht mal die Ost-Vereine, die am nachhaltigsten gegen die Saisonfortsetzung waren, sondern Unterhaching und der MSV Duisburg, der nach 27 Spieltagen noch Tabellenführer mit fünf Punkten Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz war und der mittlerweile, so meldet es der „kicker“ heute, personell „aus dem letzten Loch pfeift“. Die Zebras müssen also am meisten leiden.

Eintracht Braunschweig war nach 27 Partien noch Tabellenneunter und grüßt nun von der Tabellenspitze – der FC Bayern München II kickt bekanntlich nur außer Konkurrenz um den Aufstieg mit. Die Mannschaft von Marco Antwerpen hat also geschafft, was gemeinhin für unmöglich gehalten worden war: Die Dauerbelastung der Englischen Wochen genutzt, um sich nach oben zu schaffen. So jedenfalls stellt es sich bislang dar. Noch sind vier Runden zu gehen, die auch noch an der Substanz der Braunschweigern zehren werden.

AUCH DER FCK PUNKTET BESSER ALS ZUVOR

Besser gepunktet also zuvor haben in den Geisterspielwochen Sascha Hildmanns Münsteraner – und der 1. FC Kaiserslautern. 13 von 21 möglichen Punkten geholt, das ergibt einen fünften Rang in der Geisterspieltabelle. Sähe es so auch im Gesamtbild aus, dürften sich die Fans jetzt auf ein prickelndes Saisonfinale freuen.

So aber steht der FCK nun jenseits von Gut und Böse, und muss sich am morgigen Dienstag mit dem FC Hansa Rostock auseinandersetzen, für den ein Aufstiegsplatz noch absolut drin ist. Fünfter mit zwei Punkten Abstand zum Relegationsrang, drei zum direkten Aufstiegsplatz. Viertbester in der Geisterspieltabelle, in den jüngsten fünf Partien vier Mal siegreich.

CHANCENLOS IN ROSTOCK? NICHT UNBEDINGT

Angesichts dieser Ausgangs- und Motivationslage spricht da nicht viel für den FCK – außer, dass es im Fußball anders kommt. Nicht immer, aber öfter, als viele glauben. Und: Der FCK hat am Samstag gegen den KFC Uerdingen nicht nur klar mit 4:0 gewonnen – alle Treffer resultierten aus gekonnt zu Ende gespielten Umschalt-Gelegenheiten. Ein Gegner, der nach vorne drängen will und muss, könnte also genau das sein, was den Lautrern derzeit liegt.

Apropos Uerdingen-Spiel: Hier die xG-Grafiken.

Die Aufrechnung der qualitativ bewerteten Torchancen bestätigt zunächst einmal das Endergebnis: Klare Sache für Lautern. Allerdings: Ein Abschlusswert von 1.47 ist gar nicht mal so der Hammer. Da gab es schon einige Spiele, in denen die Elf die 2.0-Marke knackte, aber keine vier Treffer schoss. Und: In der ersten Hälfte waren die Uerdinger durchaus noch ordentlich mit dabei.

Der „Pitchplot“. Sieh an: Beim simplen Aufrechnen der Torschüsse liegt der KFC sogar vorne. Und, wer hätte das gedacht: Der FCK verzeichnet beim Generieren vor Einschusschancen nach ruhenden Bällen („Set Pieces“) tatsächlich mal einen besseren Wert als der Gegner. Allerdings sind 0.18 nicht gerade berühmt.

Die Positions- und Passgrafik: Im Gegensatz zum Würzburg-Spiel klafft diesmal kein Loch in der Mittelfeldzentrale. Die recht mittig gesetzten Spots von Kühlwetter und Pick dürfen nicht täuschen. Wie die Pfeile daran zeigen, waren die beiden links und rechts viel unterwegs. Auch Starkes Markierung stellt nur einen ungefähren Mittelwert dar. Er spielte zunächst den halblinken Achter im 4-1-2-1-2, der sich zudem bei Ballbesitz in die letzte Linie zurückfallen ließ. Nach der Umstellung auf ein flaches 4-4-2 gab Starke den zweiten Stürmer neben Thiele.

Die Visualisierung der Uerdinger Passaktivitäten bestätigt, was KFC-Coach Stefan Krämer seiner Elf und sich selbst ankreidete. Sie hatten viel Ballbesitz und ließen das Leder auch arbeiten, nur bildeten sie aufgrund vieler Umstellungen und Ausfälle keine Einheit, die sich gegen Konter abzusichern verstand.

Text: Eric Scherer

Foto: Joern Pollex/Bongarts/Getty Images

Grafiken: 11tegen11

Tabelle: transfermarkt.de

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